Presse

 
Koblenz/Spay. Unter dem Titel „lucent water“ zeigt der Kunstverein Mittelrhein (KM) 570 in Koblenz Arbeiten Corinna Rostecks. Die in Berlin lebende Künstlerin beschäftigt sich in ihren Bildern „mit dem Menschen und seinen Sehnsüchten in Verbindung zu seinem Körper im Tanz und dem Liquiden“, wie Rosteck sagt. Die Fotoarbeiten thematisieren vielfältige Lichtbrechungen, Aggregatzustände und Spiegelungen und fragen dabei nach Verortung, Veränderung und Auflösung, nach Traum und Wirklichkeit. Die Ausstellung wird im Kunstraum des KM 570 im Koblenzer Stadtteil Ehrenbreitstein am Sonntag, 21. Januar, um 11 Uhr eröffnet und ist dort in der Folge bis zum 1. März zu sehen – jeweils mittwochs und samstags von 15 bis 18 Uhr.
 
Bereits am Samstag, 20. Januar, ist in der Alten Kirche in Spay bei einem Konzert mit Cellist Benedict Kloeckner ab 19.30 Uhr eine Videoinstallation Rostecks zu sehen. red
 

Den Weg zur „Jubiläumsausstellung II“ des Kunstvereins Mittelrhein KM 570 muss man sich ein wenig erobern:

Nahe bei Montabaur, noch näher beim Stadtteil Horressen und mitten im Wald liegt das „Kunst-, Kultur- und Naturerlebniszentrum im Westerwald“ mit dem Namen b-05.

Kunstfreunde wissen Bescheid.

Nach der Wiederbelebung des ehemaligen Nato-Munitionslagers als Kunstort 2005 waren dort namhafte Künstler von Werner Herzog bis Ai Weiwei präsent – nach dem Rückzug des Hauptsponsors war das mit großem privatem Engagement geförderte Kunst-Konversionsprojekt wieder in den Dornröschenschlaf versunken, aus dem es 2017 erweckt wurde. Und: Das Wiederentdecken lohnt sich.

Weihevolle Atmosphäre für zielgerichtetes Publikum

Von den ersten „Durchfahrt verboten“-Schildern an der Waldeinfahrt sollte man sich nicht abschrecken lassen, sondern eher den Hinweisen vertrauen, die den b-05-Besuchern freie Fahrt zusichern: Es sind noch knapp zwei Kilometer durchs üppige Grün, unterwegs auf einem Weg, der von der Breite her auch als Landstraße durchgehen würde. Nähert man sich den Ausstellungsbunkern schließlich auf den letzten Metern zu Fuß, scheint es, als hätte sich eine grüne Urkraft ein „Tal der Könige“ zurückerobert: Die kleinen und großen Bunker sind von jungen Bäumen überwuchert, mehr denn je wirken die Betoneingänge wie prächtige Portale alter Königsgräber. Und ein bisschen weihevolle Atmosphäre hat das durchaus – schon, weil man „hier wirklich wegen der Kunst herkommt“, wie es Uli Hoffelder beschreibt.

Wir treffen den umtriebigen Ersten und Gründungsvorsitzenden des Kunstvereins Mittelrhein KM 570 beim Aufbau der Schau, die in 4 kleinen und 3 großen Bunkern Werke von 26 Vereinsmitgliedern und vier Gästen versammelt. Angefangen hatte alles in Boppard (bei Rheinkilometer 570, daher der Vereinsname), seit 2016 ist der Verein fest in seinem KUNSTRAUM im Koblenzer Stadtteil Ehrenbreitstein verortet.

Den ersten Teil der „Jubiläumsausstellung“ zum 20-jährigen Bestehen hat der Verein schon glücklich hinter sich gebracht, wie Hoffelder erzählt: Die Vernissage in der rheinland-pfälzischen Landesvertretung war bestens besucht, nun also: b-05, wo zwar jede Menge Jogger am Gelände vorbeilaufen, für die Ausstellung aber nur mit wirklich zielgerichtetem Publikum und nicht mit Laufkundschaft zu rechnen ist.

Figürlicher Realismus bis Abstraktion

Die Bunker sorgen nicht nur für angenehm kühle Luft in der Sommerhitze – sondern haben auch genug Platz, um den Werkgruppen der zahlreichen Ausstellenden Luft zum Atmen im übertragenen Sinne zu bieten. Rund 100 Mitglieder verzeichnet der Kunstverein, davon sind rund 35 als Kunstschaffende aktiv. Ein Großteil von ihnen ist bei dieser Schau dabei.

So bietet der Rundgang durch die großen Bunker viel Abwechslung in den drei großen weißen Hallen. Von figürlichem Realismus etwa von Susanna Storch, die sich in aktuellen Arbeiten auch der Fluchtthematik widmet, oder auch von Nathaliy Schenkmann, die zwei eindrucksvolle Akte in eine fantastische Szenerie verschränkt, bis zur Abstraktion ist Malerei in den großen Bunkern dominant vertreten. Daneben laden die kleinen Bunker zu Inszenierungen geradezu ein – und das wird in dieser Ausstellung gut ausgenutzt: Als Gast zeigt Franziskus Wendels zwei Arbeiten, die nur durch den Wechsel von Licht zu absoluter Dunkelheit zum Leben erwachen. Einmal „Clean up“ – auf der Stirnwand des Bunkers stehen scheinbar achtlos zusammengestellte Fundstücke, Lattenroste, ein alter Koffer. Unterbricht aber die Zeitschaltuhr das Licht – und haben sich die Augen erst einmal an die totale Dunkelheit gewöhnt –, so schälen sich aus dem Hintergrund aus Leuchtfarben geschaffene Lichter der Großstadt heraus, die durch den Lattenrost wie durch Lamellen betrachtet wirken. Ein großartiger, unerwarteter Effekt, der an der linken Bunkerseite mit „Montabaur“ mit anderen Mitteln grandios variiert wird. Der Siebdruck zeigt einmal Schwarz auf Weiß den Bahnhof – nach Eintritt der Dunkelheit erglimmt in Leuchtfarbe die (auf dem Papier zuvor unsichtbare) Schlossanlage wie von Geisterhand illuminiert.

Verschiedene Bunker bieten abwechselnde Themen

Ein zweiter kleiner Bunker gibt Raum für eine Installation von Ute Krautkremer, die ebenfalls mit Fundstücken arbeitet – aber auf ganz andere, ebenfalls bezaubernde Art. Was sie an Seilen und Tauen aus dem Rhein entnommen hat, mit farbigen Papieren hinterlegt und wie in Schaukästen beleuchtet, lässt im Bunker mitten im Wald Flusslandschaften auf kleinstem Raum entstehen – eine zusätzliche Klanginstallation mit Flussgeräuschen macht die Illusion perfekt.

Und ein ganz persönliches Projekt einer Spurensuche ist im dritten kleinen Bunker zu erleben: Kleine weiße Kästen der Installation „White Boxes – in memoriam“ von Petra Heiden enthalten Erinnerungsstücke aus dem Nachlass ihres Vaters, die als dermaßen fixierte Erinnerungsfetzen dessen Sammelleidenschaft in winzig kleinen Auszügen dokumentieren und so eine Hommage in Schlaglichtern liefern.

Der Wald bei Montabaur ist noch bis zum 10. September Gastgeber für diese Ausstellung, bevor der KM 570 beim traditionellen „Finale“ in Koblenz und Umgebung sein Festjahr beschließt.

Beginn dafür ist mit dem 3. Dezember der erste Advent.

 

In den Bunkern im Wald bei Montabaur sind Werke von 26 Mitgliedern des Kunstvereins KM 570 und vier Gästen ausgestellt:

Luke Baron ,Heidemarie Berberich, Sibylle Brennberger Georg Brunner, Liane Deffert, Christa Feuerberg, Verena Friedrich, Anna Geisler, Petra Heiden, Anna Herrgott, Sylvia Klein, Ute Krautkremer, Harald Küstermann, Stefanie Lenartz, Frank Lipka, Helga Persel, beate maria wörz, Willes Meinhardt, Stefan Philipps, Mario Reis , Jutta Salomon, Nathaliy Schenkmann, Susanna Storch, Clemens Strugallla, Birgit Weindl, Franziskus Wendels, Guenter A. Werner, Vera Zahnhausen

Die Ausstellung ist bis zum 10. September zu sehen, die Öffnungszeiten sind samstags von 14 - 18 Uhr und sonntags von 10/14 - 18 Uhr.  

Rhein-Zeitung KULTUR , Claus Ambrosius 17. 7. 2023

nnbbMontabaur, 17. Juli 2023, 19:40 Uhr
Wo Kunst im Bunker leuchtet: Kunstverein Mittelrhein KM 570 lädt zur „Jubiläumsausstellung II“ ein
Den Weg zur „Jubiläumsausstellung II“ des Kunstvereins Mittelrhein KM 570 muss man sich ein wenig erobern: Nahe bei Montabaur, noch näher beim Stadtteil Horressen und mitten im Wald liegt das „Kunst-, Kultur- und Naturerlebniszentrum im Westerwald“ mit dem Namen b-05. Kunstfreunde wissen Bescheid.

Liebe Leserin, lieber Leser

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Montabaur, 17. Juli 2023, 19:40 Uhr
Wo Kunst im Bunker leuchtet: Kunstverein Mittelrhein KM 570 lädt zur „Jubiläumsausstellung II“ ein
Den Weg zur „Jubiläumsausstellung II“ des Kunstvereins Mittelrhein KM 570 muss man sich ein wenig erobern: Nahe bei Montabaur, noch näher beim Stadtteil Horressen und mitten im Wald liegt das „Kunst-, Kultur- und Naturerlebniszentrum im Westerwald“ mit dem Namen b-05. Kunstfreunde wissen Bescheid.

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Wo Kunst im Bunker leuchtet: Kunstverein Mittelrhein KM 570 lädt zur „Jubiläumsausstellung II“ ein
Den Weg zur „Jubiläumsausstellung II“ des Kunstvereins Mittelrhein KM 570 muss man sich ein wenig erobern: Nahe bei Montabaur, noch näher beim Stadtteil Horressen und mitten im Wald liegt das „Kunst-, Kultur- und Naturerlebniszentrum im Westerwald“ mit dem Namen b-05. Kunstfreunde wissen Bescheid.

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Anlässlich des 20-jährigen Bestehens des Kunstvereins Mittelrhein KM 570 präsentiert dieser in einer Jubiläumsausstellung vom 16. Juli bis zum 10. September Werke von Mitgliedern und Gästen in den Galeriebunkern des b-05 Kulturzentrum im Stadtwald bei Montabaur-Horressen.

Montabaur. 24 Mitglieder und fünf Gäste des Kunstvereins zeigen Arbeiten verschiedenster Formate im kreativen Spannungsfeld von klassischer Kunst und neuer medialen Techniken. Die Vernissage findet am Sonntag, 16. Juli, um 15 Uhr statt. Weitere Öffnungszeiten sind samstags von 14 Uhr bis 18 Uhr und sonntags von 10 Uhr bis 18 Uhr.

Der Kunstverein Mittelrhein KM 570 wurde 2004 in Boppard gegründet. Die Bezeichnung KM 570 konstituiert sich sowohl aus dem Bopparder Rheinkilometer 570, als auch der Kurzform des Kunstvereins Mittelrhein. Neben Boppard, wo der Verein bis 2009 in einer Neo-Renaissance-Villa Belgrano seinen Sitz hatte, war der KV Mittelrhein in Spay (Alte Kirche), Boppard (Kreuzgang, Kloster Sabelsberg), Oberwesel (Menorittenkloster), Ehrenbreitstein (Kapuzinerkloster, Ravelin und Felsentunnel der Festung) und Koblenz (Haus Metternich, Evangelische Kirche Pfaffendorf, Rathausgarten sowie in der Galerie Steinacker) aktiv unterwegs.

Seit 2016 ist er in der Hofstraße 268 in Ehrenbreitstein zu Hause, wo er den Kunstraum als Ausstellungs- und Geschäftssitz betreibt. Der Kunstverein präsentierte bisher bei regelmäßigen Ausstellungen mit Werken regionaler, nationaler und internationaler Künstler an wechselnden Orten entlang des Mittelrheins oder als Gast auch außerhalb der Region ein vielfältiges und abwechslungsreiches Programm mit interessanten Positionen zeitgenössischer Kunst. (PM)

WW-Kurier vom 11.07.2023

Rheinland-Pfalz. Die Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur will 14 Einrichtungen und Projekte mit insgesamt 75 000 Euro fördern. Das gab der Stiftungsvorstand nach seiner jüngsten Sitzung bekannt. Dessen Vorsitzende, Ministerpräsidentin Malu Dreyer, sagte: „Mit der Stiftung stellen wir ein reichhaltiges Kulturangebot im ganzen Land sicher. Auch in dieser Förderrunde hatten wir eine spannende Projektauswahl, die genauso vielseitig ist wie unser schönes Rheinland-Pfalz.“
Unter den dieses Mal geförderten sei „alles dabei – von der Neuausgabe eines historischen Liederbuchs von 1513 bis zur Biennale mit aktueller Fotografie, von Skulpturen bis zur Filmkunst“, so Dreyer, die betonte: „Es ist einfach schön, die rheinland-pfälzische Kunstszene wieder so aufblühen zu sehen“. Dabei werden von der Stiftung in diesem Durchgang auch mehrere Einrichtungen und Initiativen aus dem Verbreitungsgebiet unserer Zeitung unterstützt, darunter etwa die Arbeitsgemeinschaft bildender Künstler am Mittelrhein (AKM) und das Ludwig Museum in Koblenz sowie der Kunstverein Mittelrhein (KM) 570, der in diesem Jahr seinen 20. Geburtstag feiert.
Die Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur wurde 1991 von der damaligen Landesregierung zur Förderung von Kunst und Kultur gegründet. Sie beteiligt sich an der Finanzierung besonderer Kulturprojekte und der institutionellen Förderung, veranstaltet den Kultursommer, unterhält zwei Künstlerhäuser und vergibt Stipendien an junge Schriftstellerinnen und Schriftsteller sowie bildende Künstlerinnen und Künstler.
 Weitere Infos auch unter www.kulturstiftung-rlp.de

 
Koblenz. Der Kunstverein Mittelrhein (KM) 570 zeigt in Koblenz derzeit Keramikarbeiten Song Zhifengs. Der Künstler setzt sich in seinen Werken mit dem chaotischen Zustand der Welt auseinander und versucht dabei, verschiedene Arten von Abfall zu „verwandeln“. In einer Pressemitteilung des KM 570 heißt es, Zhifeng erforsche nicht nur Reflexionen über Katastrophen und die Toleranz gegenüber der Welt, sondern auch „eine Transformation von Ästhetik und Geisteszustand“.
 
Weitere Infos zur Schau im Kunstraum in Koblenz-Ehrenbreitstein unter www.km570.de

Ein Fleischwolf klemmt an der Armlehne eines alten Polsterstuhls. Eigentlich ist es ein Wollwolf, denn das angerostete Küchengerät spuckt nicht zerkleinertes Fleisch, sondern farbige Wollfäden aus, die sich auf dem Boden zu einem Wirrwarr verknäulen, gegen das selbst das auf dem Stuhlsitz liegende Strickzeug machtlos erscheint. „Materialien des Lebens“ nennt die aus Taiwan stammende Pao-Ying Tang ihre Installation, die derzeit in den Räumlichkeiten des Kunstvereins Mittelrhein zu sehen ist.

In ihren Arbeiten, meint die Künstlerin, kombiniere sie gern Gegensätze. „Aus der Begegnung von Materialien entsteht Neues. Es treffen sich Kunstwerk und Leben“, sagt sie. Tangs Installation ist Teil der ersten von drei nahtlos aufeinanderfolgenden, „Klare Wogen“ überschriebenen Ausstellungen, in denen der Kunstverein Mittelrhein (KM) 570 in seinem Kunstraum in Ehrenbreitstein jeweils zwei Absolventen des Instituts für künstlerische Keramik und Glas (IKKG) in Höhr-Grenzhausen vorstellt.

Dabei hat die Paare diesmal nicht wie in den Vorjahren Thomas Kohl zusammengestellt, der an der Hochschule Künstlerische Gestaltung lehrt. „Jede beziehungsweise jeder durfte sich seinen Partner selbst auswählen“, erklärt der Maler und ergänzt: „Das geht nicht ganz ohne Reibung, wie die vergangenen vier Tage gezeigt haben, aber dabei kommen auch interessante Dialoge zustande.“

Tang, die von der Keramik her kommt, wählte sich als Partner den Kolumbianer Mauricio Alejandro Peña Chipatecua, der nach einem Studium an der RWTH Aachen, das er als Hardware-Ingenieur abschloss, jetzt Glasgestaltung am IKKG studiert – ein nicht ganz ungewöhnlicher Lebenslauf, „die meisten unserer Studierenden“, meint Kohl, „kommen nicht direkt nach dem Abitur zu uns, sondern haben oft schon eine andere Ausbildung absolviert“.

Gebilde wie Traumfänger

Chipatecua setzt dem Wollwolf Tangs, den Bildern der Künstlerin, die anmuten, als ob sie aus Acrylfarbfäden gewebt seien und dabei Dichte und Transparenz verbinden – „Farbe ist einfach meine Sprache“, sagt sie –, eine an hauchdünnen Fäden im Raum schwebende Installation entgegen, fragile, mit weißen Porzellaneinsprengseln durchsetzte Glaskörper. Der eine, der größte, erinnert an eine mit einer Klappe verschlossene Tasche, wobei dem Verschlossenen nach oben offene gefäßähnliche Gebilde wie Traumfänger entgegentreten, so zart, dass man meint, ein bloßer Lufthauch könne sie zerstören.

Eben diese Zartheit, diese Transparenz der Arbeit Chipatecuas greift Tang schließlich in einem erst in den vergangenen Tagen entstandenen, den von Kohl beschworenen künstlerischen Dialog demonstrierenden Werk auf, eine perfekte Symbiose aus Durchsichtigkeit, Licht und Farbe.

Weitere Ausstellungen im November

Auf wie eine Woge anmutendem, schwingendem Plastik arbeitet die Künstlerin mit leuchtenden Farben, schafft so ein in den Raum transformiertes, sich langsam drehendes Bild – ein Beweis für das erfreuliche Gelingen des Experiments, das die Ausstellungen auch für den KM 570 seien, wie dessen Vorsitzender Uli Hoffelder erklärt. Bindeglied zwischen den Werken beider Künstler ist nicht zuletzt auch die Projektion, die leider nur in den Abendstunden, bei entsprechender Dunkelheit durch und über den Raum wandert, durch Installationen und Bilder, und sie realiter in neuem Licht erscheinen lässt.

Die Auftaktausstellung wird am Freitag, 14. Oktober, um 19 Uhr eröffnet und ist – wie auch die beiden folgenden – zwei Wochen lang im Kunstraum des KM 570, Hofstraße 268, in Ehrenbreitstein zu sehen, mittwochs und samstags von 15 bis 18 Uhr.

Ab dem 4. und bis zum 19. November zeigen Zhongze Xue, der seine Tonobjekte bewusst Veränderungsprozessen und der Vergänglichkeit unterwirft, und die Glasgestalterin Delia Stünitz ihre Arbeiten;

vom 25. November bis zum 11. Dezember beschließen dann die Licht- und Glasdesignerin Selina Weber und Alix Brodeur mit formal experimentellen, archaisch anmuten Keramikobjekten die Ausstellungstrilogie.

Die Vernissagen  sind immer freitags um 19 Uhr.

 

RZ-Kultur: Dr. Lieselotte Sauer-Kaulbach 14. Oktober 2022

 

 
Fotokunst zwischen Kopf und Karton
 
 
Koblenz. Unter dem Titel „Anderswo“ zeigt Grit Reiss in den Räumen des Kunstvereins Mittelrhein (KM) 570, Hofstraße 268, in Ehrenbreitstein ihre performativen Fotografien. Die Künstlerin nutzt die Abbildungseigenschaften der Kamera, um die visuelle Wahrnehmung von Realität zu verändern. Reiss' Arbeiten zeigen „mit Witz und Ironie vollführte Interaktionen ihres Körpers mit einfachen Materialien“, wie es in einer Mitteilung des KM 570 heißt. Jedes ihrer Werke stehe für sich, „doch führen alle den Betrachter in eine Welt, die sich jeweils im Inneren eines Kartons zu befinden scheint – oder im Kopf der Künstlerin, den sie stets im Verborgenen hält“.
Die Vernissage findet am morgigen Freitag um 19 Uhr statt.
Die Schau ist in der Folge bis zum 2. Oktober jeweils mittwochs und samstags von 15 bis 18 Uhr zu sehen. red
 
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Koblenz. Der Kunstverein Mittelrhein (KM) 570 zeigt unter dem Titel „Center Level Roar“ Fotografien von Thomas Wunsch. Bei den abstrakten Aufnahmen steht der Betrachter im Mittelpunkt, „denn das Fehlen jeglicher Anhaltspunkte dafür, was fotografiert wurde, lässt eine Menge Spielraum für Interpretationen“, heißt es in einer Mitteilung.

Die Schau im Kunstraum des KM 570, Hofstraße 268, ist bis zum 24. Juli zu sehen – mittwochs und samstags von 15 bis 18 Uhr. red

Dienstag, 24. Mai 2022, Rhein-Zeitung Koblenz & Region, Seite 18

Von Lieselotte Sauer-Kaulbach

 

Eines der Hühnerknochenobjekte von Stefan Philipp, im Hintergrund der Plüschhocker auf Hühnerbeinchen.

Kunstverein Mittelrhein stellt seine  neuen Mitglieder vor

Koblenz.

Mobiles aus Hühnerknochen, ein pinkfarbener Plüschhocker auf zerbrechlichen Hühnerbeinchen – was übrig bleibt, wenn Hähnchen verspeist und abgenagt werden, ist das Material, aus dem der 1958 in Saarburg geborene, seit 2019 in Linz lebende Stefan Philipps seine befremdlichen, skurrilen, kritischen Assemblagen und Objekte schafft. Philipps, der erst Geografie und Politikwissenschaft und später Kunst in Mainz studierte, ist eines der  neuen Mitglieder, die der Kunstverein Mittelrhein KM 570 im Künstlerhaus Metternich vorstellt.

Wie Philipps arbeitet Birgit Weindl, Jahrgang 1960 und Kunstbeauftragte der Evangelischen Kirche in der Pfalz, fotografierend mit dem Reiz von Vergänglichem, verwelkten Tulpenblättern, mit Schönheit die, wie Weindl meint, „im Vergehenden bleibt und sich in intensivierter Art und Weise neu entfaltet“ und fast malerisch wird. Fragil ist diese Schönheit nichtsdestotrotz, von einer Zerbrechlichkeit, die auch den Acrylbildern der am Niederrhein geborenen Kunstpädagogin Birgit von Löbbecke eignet, abstrakten, aus transparenten Farbschichten gewachsenen Kompositionen im Wechselspiel von Zeichnerischem und Malerischem, von Linie und Fläche, mit Anmutungen an Natürliches, Landschaftliches.

Auch in den Skulpturen und Zeichnungen der in der Eifel und in Köln lebenden Christa Feuerberg, 1980 Meisterschülerin von Rolf Sackenheim in Düsseldorf, mischt sich Nicht-Gegenständliches mit Natürlichem, etwa in ihren „Kopffüßlern“ aus Walzblei, die auch Flügel sein könnten, schweres Material im Schwebezustand. Gerade derlei Widersprüchlichkeiten treiben Feuerberg ebenfalls in ihren Zeichnungen an, bieten ihr alle Freiheit und Offenheit.

Dann und wann klingt bei Feuerberg auch Musikalisches an, das noch stärker in den Zeichnungen und Objekten der 1962 in Baden-Württemberg geborenen Beate Maria Wörz, die in Berlin und Saarbrücken Bildhauerei studierte, zu spüren ist. Ihre der écriture automatique nahestehenden Zeichnungen seien, erklärt sie, tatsächlich auch zu Musik entstanden und wieder in Musik umgesetzt worden, Linien voller immanenter Rhythmik, die erst recht ihren Objekten eignet, kreiert aus teils eingefärbten, auf Holzplatten geklebten Papierstreifen, wie sie früher fürs Binden von Blumensträußen genutzt wurden, Upcycling auf konkrete Art. „Raum erfahren. Strukturen beleuchten“ nennt die in München, wo sie auch Kommunikationsdesign studierte, lebende Verena Friedrich, als wesentliche Themen ihrer Objekte und Installationen. Deren bevorzugtes Material ist Papier, Japanpapier, aus dem die Künstlerin im Raum arrangierte, spitzenähnliche Gebilde schneidet, oder Trinkhalme aus weißem und schwarzem Papier, das sie kunstvoll zu organisch anmutenden Objekten formt. Die Liebe zur schwelgerisch verwendeten Farbe, ob Acryl oder Öl, verbindet die beiden in Koblenz lebenden Maler unter den Neuen, Georg Brunner, studierter Kommunikations- und Politikwissenschaftler, und Luke Baron, mit 32 der jüngste Neuzugang. Brunner setzt sich in einer Serie von Arbeiten mit Koblenz auseinander, bringt skizzenhaft Architektur und Figur, Vergangenheit und Gegenwart zusammen. Luke Baron erklärt, er versuche, in seinen Werken die „totale visuelle Überfrachtung von heute zu kanalisieren“, tut dies, pop-artig, indem er kritisch, karikierend mit Elementen eben dieser Überfrachtung arbeitet. So wie in seinem „sofuckinprime“ betitelten Bild, es zeigt die Queen in lila Pluderhose und weißem T-Shirt mit eben diesem Schriftzug auf blauem Plüschsessel, umgeben von Zeittypischem aus allen Jahrzehnten ihrer Regentschaft, vom Hasenohrkissen auf Camouflage-Couch bis zu den Nietensandalen und zum Koons-ähnlichen Pudelchen.

Die Ausstellung im Künstlerhaus Metternich, Koblenz am Münzplatz ist bis zum 19. Juni zu sehen – donnerstags bis sonntags von 16 bis 19 Uhr.

 
 
Koblenz.
 
Der Kunstverein Mittelrhein (KM) 570 zeigt Werke der Malerin Silvia Willkens.
Dabei handelt es sich um Arbeiten, in denen die Künstlerin „das Empfinden der Welt beschwört“, wie es in einer Mitteilung heißt.
Willkens' Figuren „reflektieren die unterschiedlichen Reaktionen auf das Leben – ob in spontanen Skizzen oder malerisch fein bearbeiteten Bildern“.
 
Die Schau wird heute um 15 Uhr im KUNSTRAUM des KM 570, Hofstraße 268, in Ko-Ehrenbreitstein eröffnet und ist in der Folge bis zum 22. Mai zu sehen
– jeweils mittwochs und samstags von 15 bis 18 Uhr.