Presse

Naturaquarelle aus dem Fluss

 

Koblenz. Naturaquarelle nennt der Künstler Mario Reis seine Bilder: Sie entstehen in Flüssen und Bächen. Reis hängt Baumwolltücher ins Wasser, sodass sich Sedimente darauf ablagern können. Die Verweildauer des Tuchs, die Strömung und einige Faktoren mehr definieren das Tuch, der Fluss wird quasi zum Aquarellisten – und Mario Reis schöpft seine Werke. Im Kunstraum in Ehrenbreitstein, dem Ausstellungsraum des Kunstvereins Mittelrhein KM 570, sind in der Ausstellung „In Flux“ derzeit einige dieser Werke zu sehen. Der Künstler bezeichnet sie als Selbstporträts der Flüsse.

Mario Reis studierte von 1973 bis 1979 an der Kunstakademie Düsseldorf, er war Meisterschüler von Günther Uecker. Reis' erstes Naturaquarell entstand 1977 in Paris, wo der Künstler einen mit einem Baumwolltuch bespannten Rahmen in einen Fluss hängte. Seither arbeitete er an Gewässern in aller Welt. Seit einigen Jahren konzentriert sich Reis, der in Michelbach im Hunsrück lebt, auf die Gewässer in der Eifel und Umgebung.

Im Entstehungsprozess der Naturaquarelle ist besonders der Moment kritisch, in dem Reis das Tuch aus dem Wasser holt. Ihm ist wichtig, dass das Tuch unverändert bleibt, schließlich hat sich der Fluss darauf porträtiert. „Der Sinn der Sache geht verloren, wenn ich das Ergebnis manipuliere“, erklärt der Künstler. Er bezeichnet seine Methode als einen Weg, um die Landschaftsmalerei zu erweitern, um die Natur aus einer anderen Perspektive darzustellen.

Zudem ist eine zweite Werkreihe im Kunstraum in Ehrenbreitstein zu sehen: Für diese lässt der Künstler explodierende Knallfrösche malen.

Die Ausstellung läuft bis zum 4. November (Kunsttage Ehrenbreitstein). Sie ist mittwochs und samstags von 15 bis 18 Uhr im Kunstraum, Hofstraße 268, zu sehen.

RZ vom 11. Oktober 2018,

„Augenlust“ im Museum erleben

 

Boppard. Seit 15 Jahren besteht der Kunstverein Mittelrhein „km 570“. Grund genug, im Museum der Stadt Boppard in der Kurfürstlichen Burg, im Bereich des Rheinkilometers 570 gelegen, auszustellen. Sechs ausgewählte Gäste und sechs Mitglieder des Kunstvereins zeigen zum Thema „Stadt-Land-Fluss“ bis Sonntag, 28. Oktober, ihre Arbeiten.

Von Malerei über Fotografie, Wand- und Raumobjekten bis zur Videoinstallation soll die Qualität und Vielfalt zeitgenössischer Kunst in Rheinland-Pfalz sichtbar gemacht und neben bereits etablierten, auch ganz aktuelle, junge Positionen in einer spannenden Gegenüberstellung gezeigt werden.

Der Kunstverein km 570, der seit 2016 in Koblenz-Ehrenbreitstein seinen künstlerischen Sitz mit eigenem Kunstraum hat, möchte an seinem Gründungsort, der Stadt Boppard, im aufwendig renovierten und wiedereröffneten Museum Boppard in der Kurfürstlichen Burg seinen 100 Mitgliedern und Gästen eine beeindruckende Ausstellung bieten.

Uli Hoffelder leitet als Vorsitzender seit 15 Jahren die Geschicke des Kunstvereins, der 2003 in der verlassenen Villa Belgrano in Boppard startete. „Durch die Kunst den Blick so zu verschieben, dass das vermeintlich Selbstverständliche ins Auge sticht. In jeder Ausstellung werden Künstler aufeinander treffen, die, weil sie völlig verschieden arbeiten, auch unterschiedliche Besucher ansprechen und ebenso unterschiedliche Reaktionen hervorrufen sollen. Nennen wir es einmal Augenlust, die in den nächsten Wochen im Bopparder Museum zu erleben ist“, sagt Uli Hoffelder.

Für Hoffelder ist Kunst Alltag. Seit mehr als 30 Jahren beschäftigt er sich mit jungen Künstlern und deren Kunst, seit 25 Jahren ist er mit einer Künstlerin verheiratet. Uli Hoffelder, von Beruf aus eigentlich als ehemaliger Flugingenieur in einer Regierungsmaschine eher der Technik und Fliegerei zugewandt, hat viel Talent bewiesen, Menschen für Kunst zu interessieren. Die kuratorische Leitung hat Uli Hoffelder, der als Vorsitzender seit der Gründung vor 15 Jahren die Geschicke des Vereins leitet. Ausstellende Künstler sind Markus Ackermann, Laura Bruce, Martin Dicke, Yvette Kießling, Ute Krautkremer, Detlev Norgel, Helga Persel, Walerija Peters, Corinna Rosteck, Jan Schröder, Susanna Storch, und Franziskus Wendels.

Die Ausstellung ist Dienstag bis Freitag von 10 bis 17 Uhr, Samstag und Sonntag von 11 bis 18 Uhr in der Kurfürstlichen Burg in Boppard geöffnet. 

RZ Frühausgabe vom Dienstag, 16. Oktober 2018 / Suzanne Breitbach
 

KM570 blickt auf 15 Jahre zurück

Boppard. Unter dem Titel „Stadt-Land-Fluss“ feiert der Kunstverein Mittelrhein (KM570) seinen 15. Geburtstag mit einer Ausstellung im Museum Boppard.

Ausgewählte Werke werden vom 22. September bis 28. Oktober während der üblichen Öffnungszeiten zu sehen sein.

Seit der Gründung 2003 steht Uli Hoffelder dem Verein vor. Hoffelder stellt „die Kunst“ nicht gleich auf ein Podest, das sie dann künstlich überhöht. Vielleicht auch, weil er sich seit mehr als 30 Jahren mit jungen Künstlern und deren Kunst beschäftigt und seit 25 Jahren mit einer Künstlerin verheiratet ist. Kunst ist für ihn Alltag und im Kunstverein kommt ihm auch noch zugute, dass man nicht als Bildungsbürger pflichtschuldig hingeht, sondern als Interessierter, der in lockerer Atmosphäre immer wieder auf Neues stößt.

Locker bleiben, ohne vom Eigentlichen, der Kunst, abzulenken – so schildert Hoffelder das Wirken von KM570: „Im Kunstverein Mittelrhein müssen oder können natürlich nur kleine Brötchen gebacken werden. Wir haben keinen Mäzen und keinen Groß-Sponsor, alles muss solide erarbeitet werden, ehrenamtlich natürlich und immer wieder neu“, erläutert der Vorsitzende.

Der Name KM570 konstituiert sich sowohl aus dem Bopparder (Rhein)-Kilometer 570, als auch aus der Kurzform des Kunstvereins Mittelrhein. Neben Boppard, wo der Verein bis 2009 in der Neo-Renaissance-Villa Belgrano seinen Sitz hatte, stehen Gebäude in Spay (Alte Kirche), Boppard (Kreuzgang, Kloster Sabelsberg), Ehrenbreitstein (Kapuzinerkloster, Ravelin und Felsentunnel der Festung) und Koblenz (Haus Metternich, evangelische Kirche Pfaffendorf, Räume der Galerie Steinacker) als Ausstellungsorte zur Verfügung.

Die Aktivitäten des Kunstvereins beschränken sich aber nicht nur auf Ausstellungen der eigenen Mitglieder, vielmehr ist er bemüht, ein vielfältiges und abwechslungsreiches Programm zu erstellen und interessante Positionen zeitgenössischer Kunst aus der Region und darüber hinaus zu präsentieren.

Hoffelder betont, dass man immer von Neuem an einem Konzept arbeitet, das die einzelne Ausstellung in den Rahmen einer Ausstellungsreihe einbettet, mit einem Thema oder Motto überschrieben ist und sich im gewählten jeweiligen Spannungsfeld bewegt. Eben dies tut auch das besagte Geburtstagsmotto „Stadt-Land-Fluss“.

Die ausstellenden Künstler haben sich zum Ziel gesetzt, durch ihre Kunst den Blick des Betrachters so zu verschieben, dass das vermeintlich Selbstverständliche ins Auge sticht.

RZ Frühausgabe vom Samstag, 22. September 2018

Jubiläumsausstellung im Haus Metternich

Ein Stückchen stromabwärts

Zum 15. Geburtstag befasst sich der Kunstverein Mittelrhein KM 570 mit dem Thema „Stadt – Land – Fluss“

RZ v. 11.6.2018 /  Lieselotte Sauer-Kaulbach

 

Koblenz. Schon im 19. Jahrhundert wollten die Anliegerstaaten den Rhein der Länge nach vermessen – aus wirtschaftlichen und aus Zollgründen. Eine regelmäßige Zählung der insgesamt 1032,8 Stromkilometer aber existiert erst seit dem Jahr 1939. Schwarz auf Weiß nachzuverfolgen auf großen, rechteckigen Schildern mit der jeweiligen Zahl, die alle paar Kilometer zu sehen sind. Eines davon, das mit der Nummer „570“, steht in Boppard, in der Nähe der Villa Belgrano, in der sich im Jahr 2003 der noch junge, seinen Namen just eben diesem KM 570 entleihende Kunstverein erstmals vorstellte.

15 Jahre ist das her, mittlerweile dient die alte Villa neuen Zwecken und der Kunstverein Mittelrhein, so die andere Lesart der Buchstaben KM, hat sich einen neuen Ausstellungsraum gesucht: in Ehrenbreitstein, stromabwärts, jetzt KM 592. Seine Geburtstagsausstellung aber zeigt der Verein im Künstlerhaus Metternich in der Koblenzer Altstadt – und natürlich taucht der Strom auch im Ausstellungstitel auf: „Stadt – Land – Fluss“. Nicht ums Geografiekenntnisse trainierende Spiel geht es dabei, sondern um eine mehr oder minder dicht dem Thema folgende kreative Auseinandersetzung, der sich ein gutes Dutzend Künstler stellen, rund die Hälfte der 32 Mitglieder des KM 570. Schließlich gibt es im Herbst noch einmal eine Ausstellung, dann als Heimspiel im Museum Boppard.

Dem Fluss, dem Wasser widmet sich beispielsweise die in Kruft lebende Pfälzerin Heidemarie Berberich. Sie zeigt entromantisierte Rheinromantik, zersiedelte Landschaft unter einem von Kondensstreifen durchschnittenen Himmel. Beruhigender ist da das lichtgrüne Quellgeriesel des als Bildhauer gestarteten, hier mit C-Prints vertretenen Frank Lipka; zumindest indirekt aufs Wasser Bezug nehmen die in Höhr-Grenzhausen lebende Daniela Polz mit einem tönernen, „knochigen“ Bootskörper und die Mainzerin Jutta Salomon. Sie lässt transparent verdünnte Ölfarbe in ihren Kompositionen fließen und sich zu kreisenden, blasigen Strukturen entwickeln.

Die Stadt ist Star der neonglitzernden, nächtlichen Megacitys gewidmeten Ölbilder Harald A. Küstermanns. Generell Architektonisches in den Fokus rücken die nuancenreich schattierten Kohlezeichnungen von Markus Pfaff, der in Leipzig studierte. Seine Arbeiten sind fotorealistisch wie die farblich zurückhaltenden Ölbilder der ebenfalls in Koblenz lebenden Sibylle Brennberger: Ausschnitte, Serien von Fensterfluchten, gleichsam entseelte Augen gesichtsloser Gebäude. Demgegenüber ist die historische Potemkin-Fassade in Ehrenbreitstein, (noch) stützungsbedürftig, die Sylvia Klein in einem Cyanoprint festhält, ein stadtarchitektonischer Lichtblick.

Das Land oder, genereller, Landschaftliches, Natürliches thematisieren Rita Daubländer in ihren Variationen von Baumjahresringe sowie die vom Abstrakten stärker wieder zu greifbaren landschaftlichen Andeutungen zurückfindende, der klaren Komposition trotzdem treu bleibende Anneliese Geisler. Vera Zahnhausen, geboren in Boppard, tendiert umgekehrt vom Naturalistischen zu mehr Abstraktion, zum subtilen Spiel mit der Farbe. Platanenrinde und Tusche zu sparsamen, zeichnerischen Bildkompositionen fügt die im Westerwald lebende Christina Molke, Hochsitze in scheinbar idyllischen Hunsrücklandschaften dräuen lässt die Münchnerin Ulrike von Quast.

Kleinformatige Denkmäler menschlicher Schwächen

 

Ausstellung Terrakotten und Bronzen von Eberhard Szejstecki im Kunstraum in Ehrenbreitstein

– Exponate bis zum 27. Mai zu sehen

Koblenz. Ein großes Denkmal dort, weithin sichtbar platziert auf dem Deutschen Eck, der Kaiser auf seinem vielfarbigen Bronzepferd. Und viele kleine Denkmäler hier, im Kunstraum des KM 570, des Kunstvereins Mittelrhein, in Ehrenbreitstein. Patriotisch geschürte Ehrfurcht sollen Letztere ganz sicher nicht gebieten, garantiert nicht. Kleine, knubbelige Figuren sind es, allerlei Menschlein und Tierchen aus Terrakotta- oder Bronzeguss, Form gewordener Witz oder auch Melancholie, die plastische Gestalt angenommen hat.

Schöpfer dieser Figuren, die mal auf kleinen, mal auf wuchtigen Sockeln oder in die Höhe gereckten, zerbrechlichen Stelen ihren Platz finden, ist Eberhard Szejstecki, 1958 in Gelsenkirchen geboren. Erst studierte er Grafikdesign in Münster, dann Bildhauerei in Bremen als Meisterschüler Waldemar Ottos, dessen Einfluss immer noch unverkennbar ist. Wie Otto gilt auch Szejsteckis ganzes Interesse der Figur, vielleicht, weil er überzeugt ist, wie es Arie Hartog in einem Katalog des Künstlers formuliert, dass die reine Form, beispielsweise das Dreieck, irgendwann uninteressant werde, eine dem Dreieck formal zweifelsohne verwandte Nase aber nicht.

Und so haben sie denn, bei aller körperlichen Rundlichkeit, tatsächlich alle vergleichsweise spitze, „dreieckige“ Nasen, der bronzene Entdecker, der hier zumindest durchs Schaufenster in die Weite schaut, sein Kollege, der „Schämer“, mittlerweile fast so etwas wie ein Markenzeichen Szejsteckis, der seinem betrachtenden Gegenüber den Rücken und sein Gesicht der Wand zukehrt – genau wie der „Wandinspektor“. Oder wie der Stierkämpfer, der in einer „Toreroschule“ betitelten Terrakotta-Plastik seinem recht wenig furchteinflößenden Gegner, dem gleichfalls rundlichen, gedrungenen Stier mit seinem dünnen Schwänzchen, etwas ratlos gegenüberzustehen scheint. Wer hier von wem lernt, ist wirklich nicht so ganz klar.

Viele der Plastiken wirken so, als seien sie Figurinen für den Schauspielunterricht, Musterbeispiele, welche Gesten, welche Haltungen am besten bestimmte Gefühle ausdrücken. Gefühle, die sich vor allem auch bei der Begegnung respektive Beschäftigung mit dem eigenen Ich einstellen, etwa in der „Als ich mich traf“ betitelten Plastik, in der sich wie bei allen in der Gipsform abgegossenen Terrakotten zum bildhauerischen Spiel mit der Form das malerische mit der Farbe gesellt. Das Thema des Doppelgängers, des Spiegelbilds, des Schattens kehrt nicht umsonst häufig in den Werken Szejsteckis wieder und, versteckt dahinter, die grotesk überspitzte Entlarvung von Größenwahn und Überheblichkeit auf der einen, die Enttarnung von Einsamkeit, von tatsächlicher Winzigkeit des Menschen auf der anderen Seite – von der Enthüllung von eitler Selbsttäuschung wie beim in der Luft schwebenden „Besten Freund“ ganz zu schweigen.

RZ v. 23.4.2018 / Lieselotte Sauer-Kaulbach

KM 570 zeigt Arbeiten von Kanta Kimura

 

Koblenz. Der Kunstverein Mittelrhein KM 570 stellt in seiner neuen Ausstellung Arbeiten des Künstlers Kanta Kimura aus. Die Schau „Flat Wave“ wird am Freitag, 2. März, um 19 Uhr im Kunstraum, Hofstraße 268, in Ehrenbreitstein eröffnet. Kimura ist ein abstrakter Maler, der „sich ganz der Komplexität der Ölfarbe hingibt“, heißt es in einer Ankündigung. Kimura, Jahrgang 1982, stammt aus Koblenz, er ist der Sohn des Geigenbauers Gen Kimura. Er studierte unter anderem an der Universität der Künste in Berlin, dort lebt und arbeitet er. Die Ausstellung ist bis zum 8. April zu sehen.

RZ v. 1.3.2018 (Frühausgabe)

Freier Raum für freie Kunst

 

Ausstellung Studenten zeigen ihre Kunstwerke in Ehrenbreitstein

Ehrenbreitstein. Kunst will gesehen, Künstler wollen wahrgenommen werden. Gerade angehende Künstler haben es oft schwer, ihre Werke zu präsentieren. Die Kunstwelt mit ihren Institutionen und Marktgesetzen erscheint bisweilen wie ein hermetisch abgeriegelter Ort ohne Eingang. Für die Studenten des Instituts für künstlerische Keramik und Glas in Höhr-Grenzhausen aber öffnet der Kunstverein Mittelrhein in seinem Kunstraum in Ehrenbreitstein eine Tür und bietet ihnen die Möglichkeit, erste Schritte im Licht der Öffentlichkeit zu gehen. Seit Anfang November werden in Ehrenbreitstein in zweiwöchigen Wechselausstellungen Werke von Studenten gezeigt, die beispielhaft für die vielfältigen Kunstformen sind, die an der kleinsten Kunsthochschule Deutschlands gelehrt werden.

Gerade stellen Hanna Melnychuk und Zhifeng Song ihre Werke aus – eine kontrastreiche Kombination. Während der aus China stammende Song die Materialität des Raumes zum Thema macht, spielt die aus der Ukraine kommende Melnychuk mittels ihrer auf Stoffbahnen angebrachten Aquarellen mit der Architektur. Kunstkenner wie interessierte Laien gehören zum Stammpublikum der Ehrenbreitsteiner Institution, für deren Leiter Uli Hoffelder es ein dringendes Anliegen ist, Arbeiten in Keramik und Glas auszustellen und dabei den Studenten genügend Freiräume zu lassen. Hoffelder gibt jedoch zu, dass er, als er von Songs Konzept hörte, erst einmal skeptisch war: Song kündigte an, Löcher in die Wand zu bohren und das aus der Wand rieselnde Material auf Glasscheiben gleich darunter zu sammeln, um so das Wandinnere selbst zum Gegenstand der Ausstellung zu machen. Hoffelder ließ sich überzeugen, willigte ein – das Ergebnis bestätigt, dass diese Entscheidung richtig war.

Melnychuk geht subtiler vor: Sie arbeitet seit einiger Zeit an Aquarellen; so entstehen intensive Farbverläufe auf Papier. Bewusst hat sich Melnychuk dagegen entschieden, ihre Bilder zu rahmen – es soll keine Grenzziehungen geben –, und die genähten Stoffbahnen dienen als weicher Ersatz für die harten Wände.

Ihr Dozent Thomas Kohl ist von der Kooperation mit dem Kunstverein begeistert, denn „ein nicht gesehenes Kunstwerk existiert nicht“. Für Studenten sei es wichtig, den Umgang mit der Öffentlichkeit einzuüben – häufig werde dies an Hochschulen vernachlässigt, weiß er aus eigener Erfahrung. „Kunstvereine in Deutschland sind die offenste Institution überhaupt“, das habe sich bei der Realisierung der Ausstellung in Ehrenbreitstein erneut gezeigt.

Wolfgang M. Schmitt,  RZ-Koblenz, 5.12. 2017

Ausstellungsprojekt mit IKKG

Pressetext zur Ausstellung des IKKG im KUNSTRAUM bei KM570 

Der ganze Westerwald schien sich gewundert zu haben, als die ersten Kunststudenten des IKKG vor gut 15 Jahren in Höhr-Grenzhausen auftauchten. Nun gehören sie ganz selbstverständlich zum Stadtbild und die „kleinste Kunsthochschule der Republik“ (Prof. Markus Karstieß) ist eine hochprofessionelle Kaderschmiede geworden. So ist es kein Wunder, daß der ambitionierte Kunstverein Mittelrhein –KM570- in seinem frisch renovierten KUNSTRAUM in Koblenz/E’stein die Hochschule eingeladen hat – um zu zeigen, was sie kann.

 Sechs Studierende aus der Malereiklasse von Thomas Kohl zeigen paarweise in drei Wechselausstellungen das gesamte künstlerische Spektrum der Gegenwart:

Von den reduzierten, hochästhetischen Denkanstößen eines Christian Schultz und den lebensvollen Bildvorstellungen von Niloufar Shirani, über die eleganten, fast klassisch anmutenden abstrakten Glasskupturen Daniel Schönbauers und die spielerisch genau ausgeloteten Kunstvehikel von Uwe Biedermann, bis hin zu den farbzarten Malereien Hanna Melnychuks und den autonomen Keramikskulpturen Song Zhifengs zeigt sich die ganze Bandbreite der künstlerischen Offenheit des kleinen Institutes. Die Nachwuchskünstler repräsentieren zugleich die wunderbare Vielfalt der künstlerischen wie kulturellen Ansätze – kein Wunder bei dreißig Studierenden aus elf Nationen.

 Das Zitat aus Büchners Erzählung „Lenz“ („Er mußte dann mit den einfachsten Dingen anfangen, um wieder zu sich zu kommen.“) reflektiert und beschreibt zugleich durch Institutsleiter Prof. Jens Gussek den Ansatz des neuen Lehrkörpers, der die Hochschule seit einigen Jahren zu neuen Höhen treiben möchte: Durch die permanente Konzentration auf das Wesentliche wird hier ein universitärer Ort geschaffen, der in der lokalen Anbindung an die Lebenswirklichkeit zugleich der internationalen Vielfalt der Studierenden versucht, gerecht zu werden: Global denken, lokal handeln, wie es so schön anderswo heißt.

 Und so überraschen die Studierenden die Besucher nicht nur mit ihrem hohen Niveau, sondern auch mit Performances und selbst gehaltenen Reden, jeweils zu den Eröffnungen. Man stellt nicht nur die Andersdenkenden aus, sondern auch vor.

 

Koblenz/ Höhr 29.9.2017

 

Im KUNSTRAUM ab 13.10. , immer 2 Wochen, dann Wechsel.......

KM 570 zeigt Arbeiten von Guenter A. Werner

Findige Faltenwürfe an der Wand

Wie ein Künstler mit bildhaften Objekten verblüfft: KM 570 zeigt Arbeiten von Guenter A. Werner

 Formen einfach mit Farbe auf die Leinwand oder das Papier gebracht hat Guenter A. Werner in den vergangenen zwei Jahrzehnten nie. Eher Farbe zu Form gemacht. Silikonfarbe in Blechdosen oder Glasbehälter gefüllt und diese mit Gurten zum Objekt verschnürt. Oder mit farbigen Eimern ein Bild zum Farbstillleben verwandelt. Und 2004 kippte er satte 170 Kilogramm strahlend gelber Polyurethan- und Epoxidharzfarbe für eine „Transport“ überschriebene Arbeit im Skulpturenpark des Wiesbadener Kultursommers in ein Boot. Schwere, trotzdem auf dem Wasser schwebende Kunst, wahrhaftig.

Leichter ist da schon das, was der 1950 geborene, im Frankfurter Raum lebende Guenter A. Werner im noch jungen, ambitionierten Einzelpräsentationen vorbehaltenen Ehrenbreitsteiner Kunstraum des Kunstvereins Mittelrhein KM 570 in der Hofstraße unter dem Titel „Volumen“ an die Wand bringt. Volumen haben diese Arbeiten tatsächlich, sind aber federleicht und wirken genau so. Gebilde, gefaltet aus Polyestergewebe, das teilweise auf Draht oder Plexiglas befestigt und in pastellige Farben getränkt ist. „Recherche“ nennt Weber seine bildhaften Objekte oder objekthaften Bilder, Resultat einer immer wieder erneuerten, experimentierfreudigen Suche nach dem, was im Zusammenspiel von Farbe und Form alles möglich und machbar ist. Was machbar ist: Faltengebilde, die mal elegant, fast kapriziös an der Wand entlangschwingen, die sich aber auch mal zusammenballen und dann gern zu Paaren zusammentun, die einmütig, in hellem Gelb, farbliche Harmonie demonstrieren oder auch farbig miteinander kollidieren und zugleich dialogisieren, wie die „Recherche No. 8“: Sanftes Rosa ist hier gegen lichtes Grün gesetzt, formal eng aneinandergeschmiegt. Das atmet Spontaneität, hat etwas von einem Zustand, der nur für einen Moment eingefroren ist, bevor er sich im nächsten wieder verändern, zu einer ganz anderen Form werden könnte. Ohnehin ist Veränderung in den Werner'schen Farbspielen fest einkalkuliert, denn die Wirkung dieser an der Wand zu Raum gewordenen Faltenwürfe, in der Kunstgeschichte ja nicht umsonst ein großes Thema der Malerei, ändert sich je nach Lichteinfall ganz erheblich. Was aus der Distanz heraus nahezu flächig anmuten kann, entpuppt sich bei der Annäherung als plastische, wellig bewegte Berg- und Tallandschaft, in der sich sanfte Erhebungen mit nicht weniger sanften Vertiefungen abwechseln, in denen willige Betrachterblicke durchaus sinnlich regelrecht eintauchen.

RZ Kultur-Regional am 2.9.2017 : Lieselotte Sauer-Kaulbach

Pack-Papier im Haus Metternich

Wenn aus Packpapier Kunstwerke entstehen

Kunstverein Mittelrhein KM 570 zeigt Arbeiten aus ungewöhnlichem Material

 Dr. Lieselotte Sauer-Kaulbach

 

Gewöhnlich ist es hellbraun, manchmal hat es ein feines Streifenmuster und kommt meist von der Rolle: Packpapier. Praktisch zum Einwickeln, als Material für Kunst eher weniger gebräuchlich. Doch wie gut genau das funktionieren kann, demonstriert der Kunstverein Mittelrhein KM570 mit einer „Pack-Papier“ überschriebenen, sehenswerten Ausstellung im Künstlerhaus Metternich.

Der Bindestrich im Titel signalisiert eine gewollte Mehrdeutigkeit des Themas. Da geht es denn auch nicht bloß ums Packpapier, sondern um Papier generell, das 13 Künstler, Mitglieder und Gäste des Kunstvereins anpackten. Wirklich mit Packpapier arbeitet nur Manfred Lipka, Fotograf und Kunsterzieher. Er lichtet unterschiedlich entrolltes Packpapier für seine C-Prints ab und macht abstrakte Objekte.

Irritation stellt sich – beabsichtigt – bei den Fotografien Helga Persels ein. Deren Motiv ist das Innenleben auseinandergefalteter Pappschachteln, sind „Raumhüllen“, die fotografisch gesehen verblüffend räumlich wirken. So wie auch die Wandarbeiten der in Mainz lebenden Städel-Schülerin Angela Tonner, die mit auf geometrische Holzteile aufgezogenem, bemaltem Papier spielt.

Papierstreifen verhäkelt die Bopparder Kunsterzieherin Melanie Müller zu einem an skurrile Meeresbewohner erinnernden Gebilde. Nicht weniger von der Natur inspiriert sind die fragilen, zwischen Werden und Vergehen angesiedelten „Papierfrüchte“ der Berchtesgadenerin Anita Grimm-Borchert. Natürliches könnte auch bei dem in Nagold lebenden Peter Dorn mitschwingen, in seinen teilweise aufgefalteten, bezeichneten Pergamentpapier-Chiffren, die an Genomketten erinnern. Spinnennetzen gleichen die aus hauchdünnen Papierstreifen geschaffenen Kreationen der in Adenau geborenen Dorthe Goeden, vielschichtige „Gedankengeflechte“ mit gegenständlichen, landschaftlichen, pflanzlichen Einsprengseln. Erinnertes spielt auch in einer Installation Ute Krautkremers mit dem Titel „Mamas Nussbaum“, mit. Sie ist Teil einer Serie, in der die Künstlerin aus Spay mit Papiermaché die skurrilen Formen alter Bäume abgießt. Was bleibt, ist eine Art aufgebrochener „Papierrinde“, ist nicht die Substanz, sondern nur deren vergängliche Hülle. Papiermaché setzt auch Kirsten Krüger aus Düsseldorf ein. Eine Installation heißt „Abziehendes Gewitter“, hier kommt auch teils eingefärbter Holzkohlestaub zum Einsatz. Der verleiht auch der aus einem Tisch und einem schwebenden, aufgeplatzten „Stein“ bestehenden Arbeit eine beinahe sakrale Aura.

In den poetischen Traumbildern Anne-Katrin Schreiners treten virtuos geschnittene Papiergespinste an die Stelle von Farbe und Pinsel. Die Vielschichtigkeit teilen sie mit den Arbeiten des in Lahnstein geborenen, in Siegen lebenden Martin Dicke, Schichtwerk aus Ebenen, in denen sich Malerei, Collage, Fotografie, Reales und Fiktives kreuzen. Zu den notorisch Papier-Verliebten zählen schließlich Sylvia Klein und Rita Eller: Die eine collagiert in ihrer Serie „Das verlorene Ich“ menschliche Gestalten aus Schnittmustern. Die andere zeigt Bücher, bei denen sich papierene, abstrakt gestaltete Bilderseiten kaum zwischen den Buchdeckeln halten lassen.

RZ Koblenz und Region vom Donnerstag, 13. Juli 2017